Herbst 2018 / Frühjahr 2019

Vorträge zur europäischen Kulturgeschichte

So viel Anfang war noch nie

„Wie viele Dinge gibt es doch, von denen – bevor sie geschahen - keiner glaubte, dass sie je geschehen könnten.“ – Plinius maior ( 23-79 n.Chr.)

Es gab Zeiträume in der Geschichte der menschlichen Kultur, während derer sich die Menschen im Althergebrachten, Traditionellen, gleichsam wohnlich eingerichtet hatten: man dachte die von den Vätern überkommenen Gedanken, lebte nach bewährten, für ewig gültig gehaltenen Normen und erwartete von der Zukunft allenfalls eine ungestörte Fortsetzung der Gegenwart.

Doch immer wieder traten da und dort Störenfriede auf, die in den Gestalten des sich nur noch träge dahinschleppenden kulturellen Lebens Zeichen drohender Lethargie sahen und die Menschen aus der Ruhe des immer schon Gewohnten aufscheuchten. Neuerer, die wagten, noch nie Gedachtes zu denken, zu träumen vom Aufbruch in eine bessere Zeit, in eine Zukunft, - weit und offen wie ein noch nie betretenes Land.

Zuzeiten erfassten diese Hoffnungen ganze Völker, begeisterten sie, ermutigten sie, Erstarrtes zurückzulassen und die Schwelle in ein neues Zeitalter zu überschreiten.

Zeiten und Orte solcher kultureller Aufbrüche, die das Gesicht der Welt veränderten und in ihren Folgen bis in die Gegenwart fortwirken, werden die Referentinnen und Referenten der diesjährigen Vortagsreihe von „Kultur auf der Spur“ aufsuchen. Von dem Blick in die Vergangenheit geht vielleicht auch der eine oder andere Impuls aus, auch heute seit langem unbefragte kulturelle Traditionen zu sichten, abgelebte Formen zurückzulassen und in eine neue Zeit aufzubrechen.

In Wahrigs Deutschem Wörterbuch findet sich unter dem Stichwort „aufbrechen“ folgender Eintrag:

  1. etwas durch Brechen öffnen
  2. fortgehen, abreisen, weiterwandern

Kultur auf der Spur lädt zu solchem Aufbruch ein.


Montag, 19:30 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau

Lothar Kreuzer
Lothar Kreuzer
Vorsitzender des Friedberger Geschichtsvereins

Forum Romanum

Der Nabel der Welt als Schauplatz kulturellen Aufbruchs

Von der Gründung der Stadt bis zum Ende des Imperium Romanum gingen von Rom vielfältige kulturelle Impulse aus, die vor allem Europa prägten und seine Tradition bis heute bestimmen. Das forum Romanum war über mehr als ein Jahrtausend als politisches, religiöses und wirtschaftliches Zentrum in einzigartiger Weise Mittelpunkt des städtischen Lebens.

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 €
Mitglieder: 3 €
Schüler und Auszubildende: 1 €


Montag, 19:30 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau

Erich Fitzau
Erich Fitzau
Friedberg

Wahnfried

Der Name Wahnfried steht für den Alterssitz Richard Wagners in Bayreuth, für sein Werk, aber auch für seine Einstellung zum Judentum. Und damit verbindet sich die Frage, ob sich in einzelnen Figuren seiner Opern Judenkarikaturen erkennen lassen. Thematisiert werden soll auch die Rezeptionsgeschichte der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ bis heute. Und nicht zuletzt die völkisch-rassistische Ausstrahlung, die nach dem Tod Richard Wagners von seiner Witwe Cosima gefördert wurde. Nach dem Tod des Sohnes Siegfried Wagner wurde der antisemitische Ton noch schärfer unter der glühenden Nationalsozialistin Winifred, seiner Frau.

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 €
Mitglieder: 3 €
Schüler und Auszubildende: 1 €


Montag, 19:30 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau

Gerhard Kollmer
Gerhard Kollmer
Friedberg

Die Wiener Ringstraße

Städtebauliches Zeugnis einer glanzvollen Epoche

Die Wiener „Ringstraße“, deren Bau 1857 begann, ist mit ihren repräsentativen Monumentalbauten einzigartiger Spiegel der untergehenden Donaumonarchie. Das halbe Saeculum der „Ringstraßenzeit“ ist Inbegriff einer letzten Blüte einer großbürgerlich- aristokratischen Gesellschaft, die im Kanonendonner des Weltkriegs nach 1914 unwiderruflich zerfiel. Der Vortrag versucht den „Geist“ dieser Zeit an ausgewählten Beispielen aus Kunst und Literatur lebendig werden zu lassen.

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 €
Mitglieder: 3 €
Schüler und Auszubildende: 1 €


Montag, 19:30 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau

Ursula Stock
Ursula Stock
Vorsitzende von „Kultur auf der Spur“, Friedberg

Die Sorbonne, Paris

Zur Geschichte der Universität

Um 1200 schlossen sich Magister und Scholaren zu einer Gemeinschaft („universitas“) zusammen, um die Reinheit der Lehre zu sichern, frei von den Machtinteressen weltlicher und geistlicher Herren. Als Institut zur Wahrheitsfindung ist die Universität gegründet worden, und trotz gelegentlich massivem politischem Druck von außen und heftigen, bisweilen selbstzerstörerischen Auseinandersetzungen im Innern ist sie es bis heute geblieben.

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 €
Mitglieder: 3 €
Schüler und Auszubildende: 1 €


Montag, 19:30 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau

Prof. Dr. Uta Störmer-Caysa
Prof. Dr. Uta Störmer-Caysa
Institut für Ältere Deutsche Literaturgeschichte der Gutenberg-Universität Mainz

Ravenna, die Denker und die Herrscher

Von Boethius und Theoderich zu Dante

Boethius, der einer angesehenen römischen Familie entstammte, wollte nach 500 in Ravenna, der Hauptstadt des Ostgotenkönigs Theoderich, das kulturelle Erbe Roms und der griechischen Philosophie bewahren, wozu er begann, den ganzen Aristoteles ins Lateinische zu übersetzen. Er wurde damit nicht fertig, denn Theoderich argwöhnte eine Verschwörung und ließ Boethius (wohl in Pavia) ins Gefängnis werfen, wo er ein berühmtes Buch schrieb. Das althochdeutsche Hildebrandlied (eine Dichtung in germanischem Dialekt, nicht in lateinischer Tradition) bespricht Theoderich in einer ganz anderen Rolle. Viel später hat Dante im Exil in Ravenna die Göttliche Komödie geschrieben und ist dort gestorben.

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 €
Mitglieder: 3 €
Schüler und Auszubildende: 1 €


Montag, 19:30 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau

Matthias Eigelsheimer
Dr. Matthias Eigelsheimer
Schmitten

Florenz

Ursprungsort der neuzeitlichen Weltsicht

Florenz – eine der Kulturhautstädte Europas, ja, der Welt. Es gilt als Krone der Renaissance. Man habe dort „die Antike wiederentdeckt“ - eine Aussage, die in dieser Kürze fast schon wieder falsch ist. Der Vortrag will Florenz „mit der Seele suchen“, d. h. ergründen, warum diese Stadt sich im 14. Jahrhundert zu einem Zentrum des Humanismus hat ausbilden können, welche Geisteshaltung zur Grundlage all der großartigen Kunstwerke werden konnte, aber auch, in welcher Form das einst dort Geschaffene noch heute in vielen Bereichen unseres Lebens bestimmend und formend ist.

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 €
Mitglieder: 3 €
Schüler und Auszubildende: 1 €


Montag, 19:30 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau

Manfred Clauss
Prof. Dr. mult. Manfred Clauss
Hennef

Das griechische Theater

Das griechische Theater hat schon in der Antike eine fast tausendjährige Tradition aufzuweisen. Und noch immer ist seine Faszination ungebrochen. Die Autoren der klassischen Zeit wie die Tragödiendichter Aischylos, Sophokles und Euripides und als Vertreter der Komödie Aristophanes finden sich nach wie vor in den Spielplänen heutiger Bühnen.

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 €
Mitglieder: 3 €
Schüler und Auszubildende: 1 €


Montag, 19:30 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau

Hans Wolf
Hans Wolf
Friedberg

Weimar

Am Musenhof der Herzogin Anna Amalia beginnt die deutsche Klassik

Auf Einladung Herzog Carl Augusts war Goethe 1775 nach Weimar gekommen und fühlte sich am dortigen Musenhof der Herzoginmutter Anna Amalia sofort wohl. Ohne diese Aufforderung wäre er nicht geadelter Staatsminister geworden, sondern bürgerlicher Frankfurter Rechtsanwalt geblieben. Goethe, Schiller, Wieland und Herder bestimmten als die großen Vier die Epoche der deutschen Klassik um 18.00. Und ohne die Marke Weimar, die von allen Nachfolgern Anna Amalias gefördert wurde, hätten auch die Nationalversammlung von 1919 und die neue Republik einen anderen Namen erhalten.

anschließend Jahreshauptversammlung

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 €
Mitglieder: 3 €
Schüler und Auszubildende: 1 €

Kultur auf der Spur - Volksbildungsverein Friedberg/Hessen e.V.

ist ein alter Verein mit einem immerjungen Ziel.
Im Gründungsjahr 1872 wollte er “das Volk bilden”.
Heute ist er “der Kultur auf der Spur”.

Dazu bietet er Vorträge zur europäischen Kulturgeschichte an, immer montags, 19:30 Uhr.
In jeder Saison wird über ein Thema gesprochen, quer durch die Jahrhunderte in verschiedenen Ländern.

Jahreshauptversammlung:
Montag, den 01. April 2019 im Anschluss an den Vortrag