Herbst 2019 / Frühjahr 2020

Vorträge zur europäischen Kulturgeschichte

Städte als Stätten der Kultur

Im vorigen Jahr wollten wir zeigen, wie an bestimmten Orten – einem Opernhaus, einer Prachtstraße, einer Residenzstadt – eine Kultur entstanden ist, die sich von da aus ausbreitete in Raum und Zeit.

In diesem Jahr verfolgen wir das gleiche Ziel. Allerdings beschränken wir uns auf Städte, die zu Stätten bedeutender Kulturen geworden sind.

In einer Stadt leben viele Menschen auf engem Raum zusammen. Im Gegensatz zum bäuerlichen Ideal der weitestgehenden Selbstversorgung funktioniert städtische Wirtschaft durch berufliche Spezialisierung. Kaufleute und Handwerker, Verwaltungsbeamte und Gelehrte, Hausfrauen und Prostituierte, sie unterscheiden sich stark nach Bildung, Besitz und sozialem Rang; gemeinsam ist ihnen die Zugehörigkeit zu ihrer Stadt mit deren Rechten und Pflichten. Alle sind angewiesen auf den Markt, Zentrum jeder Stadt, wo sie Waren, aber auch Gedanken und Meinungen tauschen.

Das Leben in der Stadt ist schnell und bunt. Hier finden sich Mutige, die eingefahrene Gewohnheiten verwerfen, Vorurteile beiseite schieben, Neues gestalten wollen. Eine kühne Idee kann wie ein zündender Funke die Begeisterung vieler entfachen. Das birgt Risiken, öffnet aber auch die Tür zu einem neuen Blick auf Mensch und Welt. Unter günstigen historischen Bedingungen entsteht so eine Kultur, die typisch ist für diese Stadt. Ist sie überzeugend genug, erobert sie weite Gebiete und wächst hinein in künftige Generationen. Als Beispiel dienten in der vergangenen Saison Florenz mit Renaissance und Humanismus und Weimar mit der deutschen Klassik.

Wir haben neun weitere solcher Städte ausgesucht, deren Kultur wir zeigen wollen, in ihrer historischen Bedingtheit und mit ihren Nachwirkungen bis auf unsere Zeit.


Montag, 19:30 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau

Kurt Bangert
Kurt Bangert
Bad Nauheim

Jerusalem

Mitte der Welt

Jerusalem mit dem Tempelberg und dem Felsendom gilt als heilige Stätte für drei große Religionen: das Judentum, das Christentum und den Islam. Es ist die Stadt, um die über viele Jahrhunderte gestritten und gekämpft wurde und um die heute noch gerungen wird. Was macht das Faszinosum dieser Stadt aus? Welche abwechslungsreiche Geschichte steht dahinter? Warum war und bleibt Jerusalem Stein des Anstoßes? An der Schnittstelle zwischen Orient und Okzident bleibt Jerusalem ein zentraler Fokus der Weltgeschichte und der Weltreligionen. Der Vortrag versucht, seine Geheimnisse ein wenig zu lüften.

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 €
Mitglieder: 3 €
Schüler und Auszubildende: 1 €


Montag, 19:30 Uhr

Kesselhaus Theater Altes Hallenbad

Dr. Lutz Lenz
Dr. Lutz Lenz
Universität Frankfurt

Athen

Zu Besuch bei Athene und Poseidon

Der Mythos vermeldet, dass Athen, frisch gegründet, zum Zankapfel zwischen Athene und Poseidon wurde. Dieser Streit um Bestimmungsmacht war zugleich ein erster Kulturkampf. Er eröffnete eine Dynamik, die viele und vielerlei Wirkungen in und auf Europa nahm. Wichtig wurde dabei, dass Athen im Imperium Romanum für die studierende Jugend der führenden Familien lange Zeit das bevorzugte Zentrum war.

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 €
Mitglieder: 3 €
Schüler und Auszubildende: 1 €


Montag, 19:30 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau

Prof. Peter Schubert
Prof. Peter Schubert
Friedberg

Mythos Venedig

Betrachtungen zum Zusammenhang von Gesellschaft, Landschaft und Kunst

Kunst ist von Kontexten nicht zu trennen, in denen sie entsteht, von denen sie auch verursacht erscheint und in deren Zusammenhang sie verstanden werden kann. Kaum ein Ort scheint ein besserer Beweis dafür als die „Biberrepublik“ (Goethe) Venedig, und kaum einer ist so sehr zum Mythos gewordenes Symbol für existentielle Gefährdung und Überlebenswille, Lebenslust und Tod, Schönheit und Zerfall. Architektur und Malerei werden vor diesem Hintergrund beispielhaft betrachtet.

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 €
Mitglieder: 3 €
Schüler und Auszubildende: 1 €


Montag, 19:30 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau

Gerhard Kollmer
Gerhard Kollmer
Friedberg

London

als Geburtsstätte des britischen Parlamentarismus

„Magna Charta“ (1215), „Habeas Corpus-Akte“ (1679), „Bill of Rights“ (1689): Diese verfassungsrechtlichen Dokumente markieren wichtige Abschnitte auf dem Weg zum britischen Parlamentarismus. Gleichzeitig sind sie Schlüsseltexte für die Entwicklung der Staaten West- und Mitteleuropas zu repräsentativen Demokratien. London – Hauptstadt des englischen Königreiches und über Jahrhunderte bedeutendste Metropole des Kontinents – ist Geburtsstätte dieses Prozesses. Der Vortrag folgt anhand der einschlägigen Quellen diesem Weg vom hohen Mittelalter ins 20. Jahrhundert.

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 €
Mitglieder: 3 €
Schüler und Auszubildende: 1 €


Montag, 19:30 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau

Prof. Dr. Wolfram Brandes
Prof. Dr. Wolfram Brandes
Universität Frankfurt

Byzanz

Eine verkannte Kultur und ein vergessenes Großreich

Byzanz (eigentlich das Oströmische Reich) hat keinen guten Ruf. Begriffe wie Byzantinismus usw. werden heute noch abwertend benutzt, verzerren somit eine adäquate Wahrnehmung einer der bedeutendsten Hochkulturen der mittelalterlichen Mittelmeerwelt. Als christianisiertes Römisches Reich bestand es mehr als 1000 Jahre, bis Konstantinopel 1453 von den osmanischen Türken erobert wurde. Über lange Jahrhunderte hinweg war die byzantinische Kultur der Maßstab, dem man diesseits der Alpen mit Neid und Bewunderung nacheiferte. Erst mit den Kreuzzügen sollte sich das ändern, und die Kirchenspaltung im 11. Jahrhundert tat ein übriges. Und doch hinterließ Byzanz mehr als nur Spuren und prägte auch unsere christliche Kultur in erheblicher Weise.

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 €
Mitglieder: 3 €
Schüler und Auszubildende: 1 €


Montag, 19:30 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau

Matthias Eigelsheimer
Dr. Matthias Eigelsheimer
Schmitten

Das christliche Rom

Dass der Papst in Rom sitzt, weiß jeder und hält jeder auch für eine Selbstverständlichkeit. Doch es beginnt schon damit, dass er nicht immer im Vatikan zu Hause war, sondern ehemals auf dem Lateran. Warum das so war und was das für das Selbstbewusstsein der Kirche, des Reiches und damit der Welt bedeutete, an dieser Frage wollen wir an diesem Abend unseren Anfang nehmen. Wir werden beobachten, wie sich der Geist der Antike im Christentum fortsetzte und sich die Stadt langsam in das Bild verwandelte, das dem heutigen Besucher entgegentritt. Nehmen Sie Teil an einer ungewöhnlichen Zeitreise durch die Ewige Stadt.

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 €
Mitglieder: 3 €
Schüler und Auszubildende: 1 €


Montag, 19:30 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau

Prof. Dr. Angelika Hartmann
Prof. Dr. Angelika Hartmann
Bad Nauheim

Cordoba

Ein verlorenes Paradies?

In dieser uralten Stadt hielt vor genau 1101 Jahren ein Herrschaftssystem Einzug, das der Stadt und dem gesamten arabischen Spanien (al-Andalus) nach einer wechselvollen Geschichte Frieden, politische und religiöse Toleranz, kulturelle Blüte bisher ungeahnten Ausmaßes, Gelehrsamkeit und Wohlstand gewährleistete: das Kalifat von Cordoba (929 – 1031). Juden, Christen und Muslime lebten – fast einmalig in der Geschichte der Religionen – kooperativ miteinander. Woran scheiterte dieses Reich eines aufgeklärten Islam so tragisch? War die convivencia, die „Zusammengehörigkeit“, doch nur ein romantischer Traum? Die 800 Jahre währende islamische Herrschaft in Spanien und die Frage, in welchem Maß Spanien durch das „Maurentum“ geprägt wurde, werden von spanischen Historikern bis heute kontrovers diskutiert. Cordoba als Sinnbild eines „Historikerstreits“?

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 €
Mitglieder: 3 €
Schüler und Auszubildende: 1 €


Montag, 19:30 Uhr

Bibliothekszentrum Klosterbau

Ursula Stock
Ursula Stock
Friedberg

Alexandria

die hellenistische Weltstadt

331 v.C. wurde sie von Alexander dem Großen gegründet; von den Ptolemäern als Residenz gefördert, wuchs sie sich schnell zur Weltstadt aus. Sie war hochmodern, reich an Gütern und an Menschen verschiedener ethnischer Herkunft. Das Museion, der Tempel der Musen, in dem die bedeutendsten Gelehrten und Künstler forschten und lehrten, und die große Bibliothek, eine erste Universalbibliothek, sicherten der Stadt den Ruhm, wissenschaftliches Zentrum der hellenistischen und spätantiken Welt zu sein. Ihre Nachwirkung ist kaum zu überschätzen. Wir zehren noch heute davon.

Anschließend Jahreshauptversammlung

Eintrittspreise

Erwachsene: 5 €
Mitglieder: 3 €
Schüler und Auszubildende: 1 €

Kultur auf der Spur - Volksbildungsverein Friedberg/Hessen e.V.

ist ein alter Verein mit einem immerjungen Ziel.
Im Gründungsjahr 1872 wollte er “das Volk bilden”.
Heute ist er “der Kultur auf der Spur”.

Dazu bietet er Vorträge zur europäischen Kulturgeschichte an, immer montags, 19:30 Uhr.
In jeder Saison wird über ein Thema gesprochen, quer durch die Jahrhunderte in verschiedenen Ländern.

Jahreshauptversammlung:
Montag, den 30. März 2020 im Anschluss an den Vortrag